Kultur

Schnitzelhaus im Gries wird zum Gesamtkunstwerk

Schnitzelhaus im Gries wird zum Gesamtkunstwerk

Der steirische herbst zieht auf den Griesplatz in Graz: Das ehemalige Gasthaus „3 Goldene Kugeln“ wird zum Schauplatz der Ausstellung und zum Festivalzentrum. Das Motto der diesjährigen Ausgabe, die am 24. September eröffnet wird, lautet „Red Flags“.

Wie viele „Red Flags“ sieht man in einem Menschen? Der steirische herbst bedient sich heuer eines Schlagwortes aus Online-Dating-Diskursen und macht es zum Motto eines Festivals, das sich mit der Wirkung des Politischen ins Private beschäftigt. „Je politisch angespannter die Lage ist, desto mehr ,cancel culture‘ gibt es auch im Privaten“, sagt Intendantin Ekaterina Degot am Dienstag bei der Programmpräsentation in Graz. Aber nicht nur das. „Die zeitgenössische Kultur ist finanziell ausgehungert und unter Druck. Wir erleben einen Backlash – und viele ,red flags‘.“

Der steirische herbst zieht an einen Ort in Graz, der für den institutionalisierten Kulturbetrieb üblicherweise eine „red flag“ ist: in die ehemaligen „Goldenen Kugeln“ am Griesplatz, wo Wirtshausinterieur auf zeitgenössische Kunst treffen wird. „Wir sind als steirischer herbst nicht zufällig hier, sondern in Solidarität mit den Bewohnern von Gries“, sagt Degot. „Wir sind international. Die Mission des steirischen herbst ist es, die Monoethnizität zu brechen.“

Neben dem Festivalzentrum und dem herbstcafé ist es auch der Schauplatz der Ausstellung, deren Laufzeit wegen des großen Erfolgs im vergangenen Jahr bis 15. November (das Festival endet am 18. Oktober) verlängert wurde. „Wir bauen ein Gesamtkunstwerk in diesem ehemaligen Schnitzelhaus.“

Im oberen Stock gestalten internationale Künstlerinnen häusliche Räume, in denen man auf Tradwifes, Vampire und Camgirls trifft – unter anderem mit der britischen Künstlerin Heather Phillipson. Im Erdgeschoss hört man ein Hörspiel von Andreas Unterweger und Max Höfler. 

Eröffnung mit Wrestling-Match
Die Eröffnung am 24. September findet am Karmeliterplatz statt. Dort steht ein Wrestling-Match von Julian Warner auf dem Programm, das die ideologischen Kämpfe unserer Zeit abbilden soll. Danach inszeniert Alex Baczyński-Jenkins in der List-Halle mit „Angelic Conversations“ einen esktatischen Tanzabend.

Weitere Programmhighlight zwischen 24. September und 18. Oktober: „Austria Demenzia“ von Franz von Strolchen über Erinnerungskultur und „Dreschen: Ein Brauchtum“, wo sich die Rabtaldindln mit dem Thema Gewalt gegen Frauen auseinandersetzen.

Choreografin Stina Fors bespielt mit „Rhododendron“ die Welsche Kirche, Lennart Boyd Schürmann realisiert mit „Liluli: Allegories of the Western Soul“ ein neues Projekt, Daniel Dominguez Teruel inszeniert am Hilmteich das Ritual „Gloria! Gloria! Gloria!“ und vieles mehr.

Das ORF musikprotokoll startet am 3. Oktober und steht unter dem Motto „Supernova“, im Literaturhaus Graz findet ab 29. September das Festival „Out of Joint“ statt. Und im Partnerprogramm finden sich alleine im Performancebereich 29 Projekte. 

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