Seekabel ramponiert: Russischer Kapitän angeklagt
Wegen der Beschädigung von Unterseekabeln sind in Finnland der russische Kapitän und der aserbaidschanische Bootsmann des Frachters „Fitburg“ angeklagt worden. Die finnische Staatsanwaltschaft wirft ihnen schwere Sachbeschädigung und schwere Störung der Telekommunikation vor.
Das 132 Meter lange Frachtschiff war am 31. Dezember 2025 auf dem Weg von Russland nach Israel, als es von den finnischen Behörden gestoppt wurde. Der Grund: Die „Fitburg“ soll ihren Anker mindestens 130 Kilometer über den Meeresgrund geschleift und dabei zwei Unterseekabel zwischen Finnland und Estland beschädigt haben.
„Schwerer sofortiger Schaden“
Die Behörden vermuten, dass der Kapitän und der Bootsmann noch acht weitere Seekabel beschädigen wollten. Die finnische Staatsanwaltschaft erklärte, der Vorfall habe einen „schweren sofortigen Schaden“ verursacht und ein „ernstes Risiko“ für Telekommunikation, Strom- und Gasversorgung in Finnland dargestellt. Geprüft wird, ob zu einem späteren Zeitpunkt Anklage gegen zwei weitere Offiziere des Frachters erhoben werden soll.
Der Kapitän und der Bootsmann haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie argumentieren zudem, Finnland sei in dem Fall gar nicht zuständig. Die Kabel waren in der ausschließlichen Wirtschaftszone Estlands beschädigt worden.
Hybride Kriegsführung
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als vier Jahren sind in der Ostsee immer wieder wichtige Telekommunikations- und Stromkabel beschädigt worden. Fachleute gehen davon aus, dass es sich um einen Teil von Russlands hybrider Kriegsführung gegen den Westen handelt, bei der verschiedenste Mittel – etwa Sabotage an kritischer Infrastruktur – eingesetzt werden, um die Grenze zwischen Krieg und Frieden zu verwischen.
Als mutmaßlicher direkter Verursacher der Kabelschäden gilt die sogenannte Schattenflotte von oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffen, mit denen Russland das im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängte Öl-Embargo umgeht. Die NATO verstärkte wegen der Serie mutmaßlicher Sabotageakte in der Ostsee ihre Patrouillen.