Hände schütteln, Ansprachen halten, plaudern, nachfragen und dazwischen „Buddhismus für Dummies“: Die „Krone“ begleitete Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler einen Sommertag lang beim „Pulsmessen“ der Wiener Kulturlandschaft.
Geschäftiges Treiben beim Start der Mittanz-Veranstaltung „Public Moves“ vor dem Museumsquartier: Mikrofone werden abgeklopft, Getränke bereitgestellt, Stehtischdecken zurechtgezupft. Schließlich hat sich die Kulturstadträtin angekündigt. Nervös macht das nur die Verantwortlichen: Die Tanzwilligen sind mit Aufwärmübungen beschäftigt, alle anderen hier sonnen sich lieber auf den „Enzis“. Eine davon, unbemerkt: Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler – die Sommerschlapfen artig vor dem Liegemöbel geparkt.
Im Sommer muss Mussolini dran glauben
Kaup-Hasler hatte Verfrühung und nützt solche Momente für „Buddhismus für Dummies“, wie sie der „Krone“ erklärt. Schließlich beginne der Tag um 6 Uhr morgens und ende erst kurz vor Mitternacht, auch wenn davon jeweils am Morgen und am Abend eine Stunde auf privates Lesen entfällt: Am Abend Schöngeistiges, am Morgen anderes, derzeit die fünfbändige Biografie des italienischen Diktators Benito Mussolini von Antonio Scurati.
Aktuell ist Kaup-Hasler bei Band vier, aber „im Sommer geht es mit Mussolini zu Ende“, scherzt sie später im Gespräch mit den „Public Moves“-Veranstaltern. Überhaupt wollen Menschen aus dem Kulturbetrieb mit Kaup-Hasler offenbar vor allem durch Plaudereien über Bücher, Urlaube, Familienangelegenheiten und dergleichen mehr ins Gespräch kommen. Dass man so bei ihr positiv in Erinnerung bleiben will, schließt sie zwar nicht aus – ihr selbst gehe es aber darum, „zu erfahren, wie’s den Leuten geht. So hat man am besten den Finger am Puls der Kulturlandschaft.“
„Jeder, der mir schreibt, bekommt eine Antwort“
Wird sie bei solchen Terminen auch von Passanten angesprochen? „Selten. Vielleicht haben die Leute Scheu?“, fragt sie sich. Den Dialog mit der Bevölkerung scheue sie aber ganz und gar nicht: „Jeder, der mir schreibt, bekommt eine Antwort – und zwar zügig.“ Die Miene ihrer Mitarbeiterin beim letzten Wort verrät, dass man das Versprechen ernst nehmen kann.
Selbst zornigste Kritik an ihrer Kulturpolitik lasse sich oft entkräften, wenn man das Gefühl vermittelt, dass man Einwände ernst nimmt, erzählt die Stadträtin. Jetzt geht es aber zur Ansprache – einen Schummelzettel mit den Namen aller Personen, die es zu würdigen gilt, im Gürtel des Wickelrocks versteckt: „Es sind jeden Tag so viele Namen, da brauche ich ein Back-up.“
Und am Ende passiert es dann doch ...
Weiter zum Kultursommer nach Atzgersdorf. Wieder Plaudern, wieder Hände schütteln, wieder eine Ansprache. Die VIP-Behandlung für die Stadträtin besteht hier aus einem Flaschenbier, das aus dem Backstage-Bereich organisiert wird. Kaup-Hasler scheint zu genießen, dass sie ab dann Publikum sein darf.
Sie bleibt bis zum Schluss, springt nach der Darbietung auf, wirft den Auftretenden, deren Werdegang sie bis ins Detail kennt, Kusshändchen zu, und läuft dann extra noch einmal zum „Krone“-Beobachter mit der Frohbotschaft: „Gerade vorhin zum Beispiel ist es passiert: Ein älterer Herr hat mich angesprochen und erzählt, dass er schon seit Jahren zum Kultursommer kommt. So was freut mich so.“