Kultur

Vom heroischen Liebestraum zur Trauma-Bewältigung

Vom heroischen Liebestraum zur Trauma-Bewältigung

Das Theater an der Wien zeigt einen klang-mächtigen und optisch düsteren „Fliegenden Holländer“ in der Regie von Philipp Stölzl. Ein imposanter Abend, der mehr beeindruckt als berührt. 

Die Senta aus Wagners „Fliegendem Holländer“ flüchtet sich in die Fantasiewelt einer heroischen Legende. Sie sieht sich als auserwählten Engel, der den rastlosen Seefahrer erlösen wird – was sie auf tragische Weise auch tut. Regisseur Philipp Stölzl dreht die Idee weiter. Bei ihm bleibt der Holländer ein Phantasma, zu dem eine missbrauchte, traumatisierte Senta flieht – bis in den tödlichen Wahnsinn. Die aktuelle Premiere der Produktion, die 2009 in Basel herauskam, zeigt jetzt an der Wien, dass diese Drehung absolut schlüssig ist – mit Einschränkungen.

Radikal entromantisiert
Dramaturgisch nimmt sie dem Werk jede romantische Idee. Sentas Liebe ist hier keine höhere Macht, sondern verzweifelte Traumabewältigung. Ganz konkret holpert die optische Trennung von Realität und Wahn mitunter – auch weil es einer schauspielerischen Meisterleistung bedürfte, diese komplexe Figur zwischen Trotz und Trauma, Resignation und Begehren schlüssig zu zeichnen.

Was Ambur Braid als Senta hier schuldig bleiben muss, macht sie mit ihrem außergewöhnlichen Sopran wett – lodernd in den Farben, kraftvoll in der Höhe und von beeindruckender Durchschlagskraft. Stimmlich fast schon zu üppig für die Senta.

Kantige Strahlkraft
Dass sich das letztlich ausgeht, liegt an der restlichen Besetzung. Der raue Holländer von Jordan Shanahan kann mit Braid genauso mithalten wie der kraftvolle Tenor von Cameron Becker als Erik und der sonore Daland von Wilhelm Schwinghammer.

Dass die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Robert Jindra diese vokale Durchschlagskraft mit einem kantig-rauen, klangmächtigen, wenn auch wenig subtilen Wagner unterfüttern, ist schlüssig. Den Klangraum des Theaters an der Wien bringt diese musikalische Lesart jedoch an seine Grenzen. Ein intensiv beeindruckender, wenn auch wenig berührender Abend.

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