Wassermangel und Energiekrise in Ungarn
Während die Temperaturen auch in Ungarn nach oben klettern, sinken die Flusspegel dramatisch. Die Donau hat mittlerweile einen historischen Tiefpunkt erreicht – mit dramatischen Folgen für das ganze Land. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes musste das AKW Paks am Sonntag nach 44 Jahren völlig vom Netz genommen werden. Gleichzeitig erließ die Regierung in Budapest mehrere Notfallgesetze, um durch die Energiekrise zu kommen.
„Morgen wird das Kraftwerk Paks keinen Strom produzieren, während uns die heißesten Tage mit Temperaturen von 40 Grad Celsius bevorstehen. Uns stehen die fünf kritischsten Tage bevor“, stimmte Regierungschef Péter Magyar die Bevölkerung auf schwierige Zeiten ein. Die ersten Notfallgesetze sind bereits erlassen worden.
Bis einschließlich Mittwoch soll die Staatsverwaltung größtenteils im Homeoffice erledigt werden, sofern die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes dies zulässt. Um Gleiches werden Unternehmen, Arbeitgeber der Privatwirtschaft ersucht. Auch die Festbeleuchtungen an staatlichen Gebäuden wurden abgeschaltet. Zudem werden von allen Kommunalverwaltungen größtmögliche Einsparungsmaßnahmen erwartet.
Krisensitzung aller Parteien bei Präsidentin
Die ungarische interimistische Staatspräsidentin Ágnes Forsthoffer ersuchte den Premier um eine persönliche Unterrichtung im Umgang mit der extremen Hitzewelle und Energiekrise für den Montag. Dazu geladen sind auch die Fraktionschefs der Oppositionsparteien, heißt es auf ihrer Facebook-Seite. Diese erhalten damit die Möglichkeit der direkten Beratung mit dem Premier, da die geplante Plenarsitzung am Montag ausfällt.
Inzwischen trat in Ungarn eine Regierungsverordnung in Kraft, nach der große Industrieunternehmen vorübergehend vom Netz getrennt werden können, wenn sie die geforderte Verbrauchsreduzierung nicht durchsetzen. Laut Magyar würde die Stromversorgung der Haushalte nur dann beeinträchtigt, wenn alle Optionen ausgeschöpft seien.
U-Bahnen und Straßenbahnen fahren langsamer
Einschränkungen gibt es auch hinsichtlich des Schienen-Güterverkehrs ab Montag in dem kritischen Zeitfenster zwischen 17 und 22 Uhr, um so den abendlichen Energiebedarf des Eisenbahnsystems zu senken und Reserven freizumachen. Straßenbahnen und U-Bahnen in der Hauptstadt fahren langsamer. In mehreren Städten wurden Springbrunnen abgestellt.
Autowaschanlagen geschlossen, E-Ladestationen abgeschaltet
Die Mineralölgesellschaft MOL schließt vorübergehend ihre Autowaschanlagen. Bei Tesco werden gekühlte Getränke nicht mehr angeboten, außerdem werden Ladestationen für Elektroautos abgeschaltet. Auch die staatliche Lotteriegesellschaft senkt ihren Energieverbrauch.
Fußball-Ligspiele sollen ohne Flutlicht ausgetragen werden
Der ungarische Fußballverband hat Anstoßzeiten von Ligaspielen vorverlegt, damit möglichst ohne Flutlicht gespielt werden kann. Können Spiele nicht bei Tageslicht stattfinden, sollen sie verschoben werden.
Ein unerwartetes Angebot hinsichtlich Stromlieferungen kam am Sonntag vom slowakischen Premier Robert Fico, der auf Facebook seine Solidarität mit Ungarn bekundete und Soforthilfe anbot. Laut Fico stünden die slowakischen Kernkraftwerke aktuell nicht in einer Krisensituation. Das Angebot des slowakischen Premiers kam nachdem sein ungarischer Amtskollege die Abschaltung des AKW auf Facebook bekannt gab. Dieser Leistungsausfall von 2000 Megawatt solle künftig durch alle verfügbaren ungarischen Reservekraftwerke und Importe kompensiert werden.