In den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen blickt alles auf den Handel mit mehr als 420.000 Mitarbeitern. Geht es nach IHS-Chef Holger Bonin ist der Ausgang klar – und wenig erfreulich: Die Löhne in der Branche werden sich „nicht mehr sehr dynamisch entwickeln“.
Vor allem für Frauen ist der Handel einer der wichtigsten Arbeitgeber, der Teilzeitanteil ist hoch. Anfang der Woche startete die Gewerkschaft mit einer Forderung von 3,8 Prozent Plus, die Arbeitgeber lehnte das „aufgrund der Rahmenbedingungen“ umgehend ab. Das unterstreicht auch IHS-Chef Holger Bonin in der „ORF-Pressestunde“. Und zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft der Handelsangestellten.
Besonders pessimistisch blickt Bonin auf die Zukunft des Handels. Die Gewerkschaftsforderung von 3,8 Prozent mehr Gehalt sei „am oberen Rand dessen, was möglicherweise erfüllbar ist“. Die Produktivitätsentwicklung der Branche sei seit Jahren schwach, zugleich setzten Onlinehandel und verändertes Kaufverhalten die Unternehmen unter Druck.
Für die Beschäftigten hat der IHS-Chef daher eine klare Botschaft: „Die Löhne entwickeln sich da nicht mehr so dynamisch wie in anderen Bereichen der Wirtschaft.“ Wer im Handel arbeite, müsse die Signale erkennen und sich „auch umorientieren“. In Bereichen wie Gesundheit oder Freizeitwirtschaft sieht er deutlich bessere Zukunftschancen.
Kritik an Mietpreisdeckeln
Als einen Grund für die hartnäckig hohe Inflation nennt Bonin die automatischen Mietanpassungen. Österreich indexiere viele Preise stärker als andere Länder. „Wir müssen uns fragen, ob wir die Mieten automatisch indexieren, eins zu eins, nur weil das Glas Rotwein im Restaurant ein bisschen teurer wird“, sagte er.
Langfristig seien aber nicht Preisdeckel die Lösung, sondern mehr Wohnraum. „Wenn wir niedrigere Mieten wollen, dann brauchen wir ausreichend Wohnraum, müssen ausreichend bauen.“
Wettbewerb statt Spritpreisbremse
Ablehnend äußerte sich der Wirtschaftsforscher auch zur neu aufgelegten Spritpreisbremse. Allgemeine Preisstützungen seien teuer und wenig treffsicher. „Das sind falsche Preissignale“, erklärte Bonin. Hohe Treibstoffpreise würden auch dazu beitragen, den Verbrauch zu senken oder den Umstieg auf andere Antriebe attraktiver zu machen.
Statt Tankrabatten oder anderen breiten Preisinterventionen plädiert Bonin für gezielte Unterstützung einkommensschwacher Haushalte. Zudem müsse der Wettbewerb im österreichischen Handel gestärkt werden. Dort gebe es häufig einen „Österreich-Aufschlag“, wodurch viele Produkte deutlich teurer seien als etwa in Deutschland.