Wirbel um „Trendprognose“ für Gemeinderatswahl
Absturz für SPÖ und ÖVP, massive Zugewinne für die FPÖ: Das prophezeit eine „Analyse“ für die Gemeinderatswahl in Lockenhaus im Burgenland. Erstellt hat sie die FPÖ – und das sorgt für Ärger.
Bis zur Gemeinderatswahl im kommenden Jahr ist zwar noch ein wenig Zeit, dennoch wagen offenbar schon jetzt die ersten den Blick in die Glaskugel. Im Bezirk Oberpullendorf sorgt eine online kursierende „Trendprognose“ für Lockenhaus für Aufregung. Das vorhergesagte Ergebnis wäre ein Traum für die FPÖ: Massive Zugewinne, welche die Freiheitlichen von 5 auf 28 Prozent und damit auf den zweiten Platz katapultieren würden. Gleichzeitig werde die SPÖ 17 Prozentpunkte verlieren und von 65 auf 48 Prozent fallen. Die ÖVP würde nur mehr auf 24 Prozent kommen. „Die Absolute fällt. Lockenhaus wird neu gemischt“, steht bei der Grafik.
Woher kommen die Zahlen?
Erstellt hat diese der FPÖ-Ortsparteiobmann und Gemeinderat LAbg. Sandro Waldmann. Dass er sich und seiner Partei ein derart überragendes Abschneiden attestiert, sorgt für Irritation. Für ÖVP-Bezirksmandatar Patrik Fazekas stellt sich vor allem die Frage, auf welcher Grundlage und nach welcher Methode diese Zahlen errechnet wurden. „Wer Zahlen in einer Grafik präsentiert, muss sagen, woher sie kommen.“
Eigene Berechnung
Auf Nachfrage gibt Waldmann an, dass die Prognose aus seiner eigenen Berechnung stammt. Er habe dazu die Ergebnisse aus vorangegangenen EU-, Nationalrats-, Landtags- und Gemeinderatswahlen hergenommen. Auch Dinge, wie der „Doskozil-Bonus“ und der „Norbert Hofer-Bonus“ seien eingeflossen. Hinzu komme, dass die FPÖ in Lockenhaus überdurchschnittlich stark sei – das habe sich auch bei der Nationalratswahl 2024 gezeigt, als die FPÖ in Lockenhaus Erster wurde. Erstellt worden sei die Berechnung per Excel-Liste.
„Ist Desinformation“
Für Fazekas hat das aber wenig mit einer korrekten, wissenschaftlichen Berechnung zu tun: „Das ist Desinformation und wirklich unseriös.“ Bei einer echten Prognose befrage ein Institut Menschen.
„Gas geben“
Waldmann hingegen verteidigt seine Berechnung. Er habe schon in der Vergangenheit eigene Analysen gemacht und sei damit recht nah an das tatsächliche Ergebnis genommen. Dass seine Prognose eintritt, hält er für möglich – auch wenn man für 28 Prozent „Gas geben“ müsse. „Wenn wir in jedem Ortsteil einen guten Kandidaten haben, ist es realistisch.“ Auch werde die ÖVP ihre 30 Prozent nicht halten können, die SPÖ werde ebenso verlieren, ist er überzeugt.
Spätestens nach der Auszählung im nächsten Jahr wird sich zeigen, wie treffsicher die Prognose tatsächlich war.