Am Samstag ist es in Frankreich zu schweren Ausschreitungen bei den landesweiten Massenprotesten gekommen. Demonstrantinnen und Demonstranten haben vielerorts Autos und Gebäude in Brand gesetzt sowie Geschäfte geplündert. Mindestens vier Menschen wurden durch Granaten verletzt.
So sei in Saint-Étienne einem 17-Jährigen von einer Granate eine Hand abgerissen worden, berichtete die Zeitung „Le Figaro“. Diese war von der Polizei abgefeuert worden. Im ostfranzösischen Nancy wurden drei Menschen durch eine Blendgranate der Einsatzkräfte verletzt. Das Innenministerium berichtete zudem von etwa 600 verletzten Feuerwehrleuten und Polizistinnen sowie Polizisten. Ungefähr 2000 Menschen seien bei den Ausschreitungen festgenommen worden.
Das Ausmaß der Verwüstung in Frankreich hinterlässt viele Menschen in dem Land ratlos und schockiert. Die extreme Gewalt vom Wochenende schreibt die Regierung organisierten linksextremen Gruppen zu. 110.000 Menschen hätten am Samstag in Paris friedlich demonstriert. Einige weitere tausend Randaliererinnen und Randalierer seien für schwere Gewalt verantwortlich, sagte der Pariser Polizeipräfekt Patrice Faure. Auch aus anderen Städten hieß es, die Gewalttäterinnen und Gewalttäter hätten mit der Protestbewegung nichts zu tun.
Frust hat sich angestaut
Viele Menschen in Frankreich fühlen sich mit ihren Problemen nicht ernst genommen und vom Staat im Stich gelassen. Viele der Protestplakate am Samstag wiesen auf Missstände und Notlagen hin. Der Frust hat sich angestaut: über hohe Lebenshaltungskosten, teuren Sprit und niedrige Einkommen. Pflegekräfte oder Feuerwehrleute fühlen sich angesichts der aktuellen Herausforderungen beispielsweise unterbezahlt.
Erst waren es Schülerinnen und Schüler, die ihren Unmut über marode Schulgebäude, fehlende Vertretungslehrkräfte und vollgestopfte Stundenpläne Luft machten. Diese Proteste öffneten das Tor für breitere Demonstrationen. Die französische Regierung hat bereits für Menschen mit niedrigem Einkommen Tankhilfen und Zuschüsse für die Energierechnung gezahlt oder zugesichert. Landwirtinnen und Landwirte sollen wegen der Dürre im Sommer Hilfen bekommen. Für die Schülerinnen und Schüler wurden 3000 Vertretungskräfte organisiert.
Rechte profitieren von der Situation
Der Staat könne aber nicht auf jede Krise mit Milliardenhilfen reagieren, teilte die Regierung mit. Das Land ist hoch verschuldet, im Parlament laufen Beratungen über einen Sparhaushalt. Präsident Emmanuel Macron will sich am Sonntagabend (20 Uhr) mit einer Rede an seine Landsleute wenden. „In unserer Republik ist kein Platz für Gewalt. Diejenigen, die sowohl Präfekturen als auch Geschäfte zerstört und angegriffen sowie sogar unsere Rathäuser geplündert haben, werden strafrechtlich verfolgt und bestraft“, sagte Macron am Samstagabend.
Auf die Ausschreitungen folgten bereits Schuldzuweisungen. So bezichtigte die Mitte-Regierung von Premier Sébastien Lecornu die Linkspartei, Randale anzustacheln. Diese kritisierte wiederum ein zu hartes Vorgehen der Polizei. Die Regierung ist durch die chaotische Lage geschwächt. Die schweren Ausschreitungen spielen vor allem den Rechten und extrem Rechten in die Karten, die nun mehr öffentliche Ordnung verlangen.