Kurz nach dem die USA mit Russland eine Vereinbarung über die Lieferung von Diesel geschlossen haben, zeigt die Ukraine, was sie davon hält: Angriffsdrohnen setzten in der Nacht ein wichtiges Terminal für den Export von Erdölprodukten in Südrussland in Brand.
Der Angriff traf die Anlage in der Stadt Rostow-am Don, über das vor allem Produkte aus der Ölraffinerie im nahegelegenen Nowoschachtinsk verschifft werden. Videoaufnahmen in sozialen Medien (siehe unten) zeigten lodernde Brände im Exportterminal, in dem jährlich 3,5 Millionen Tonnen gelagert und verladen werden können. NASA-Satellitendaten zeigen mehrere Feuer.
Der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, schrieb bei Telegram von Bränden und Schäden an Wohnhäusern infolge ukrainischer Angriffe. Zudem sei eine Eisenbahnbrücke beschädigt worden. Sechs Menschen benötigten demnach ärztliche Hilfe.
In der Stadt Asow seien zwei Schiffe beschädigt worden. Mehr als 100 Drohnen seien über dem Gebiet Rostow abgewehrt worden. Die ukrainische Armee meldete zudem einen Angriff auf eine Ölverteilstation der Druschba-Pipeline in der russischen Stadt Samara. Das Verteidigungsministerium in Moskau gab an, in der Nacht 560 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten und der annektierten Krim abgewehrt zu haben.
15 Tote in der Ukraine
In derselben Nacht kamen bei russischen Angriffen im Südosten der Ukraine mindestens 15 Menschen ums Leben. Unter den Todesopfern seien drei Minderjährige, 16 Personen seien verletzt worden, teilte der ukrainische Zivilschutz mit. Such- und Rettungsarbeiten laufen.
Insgesamt seien 13 ukrainische Regionen attackiert und Wohnhäuser, Infrastruktur und Eisenbahneinrichtungen beschädigt worden, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Nacht habe einmal mehr gezeigt, dass Russland nachlassenden Druck als Signal verstehe, weiter Krieg führen und Bomben auf Städte werfen zu können, schrieb er in sozialen Medien „Russland bedankt sich für die Aufhebung der Sanktionen gegen Dieselexporte, indem es fünf Gleitbomben auf Wohngebäude in Saporischschja abwirft.“ Der Staatschef forderte andere Signale und kündigte eine Reaktion auf die russischen Angriffe an.
„Konstruktive“ Friedensgespräche
Sie erfolgten, während in Miami neue Beratungen zwischen Vertretern der USA, der Ukraine und Europas über ein Ende des Ukraine-Krieges laufen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff bezeichnete sie als „konstruktiv“. Bei dem Austausch sei es unter anderem um „kurzfristige Maßnahmen zur Vorbereitung auf den Winter“ in der Ukraine wie die Stärkung der Energieinfrastruktur und Getreideexporte gegangen, erklärte Witkoff im Onlinedienst X.
Auch Sicherheitsgarantien und „langfristige Vorkehrungen für die Sicherheit der Ukraine und Europas“ waren demnach Thema. Ob die Gespräche wie angekündigt am Samstag fortgesetzt werden, teilte Witkoff nicht mit.