Gehörlose Poetinnen und Musiker auf einer Bühne
Musik ohne Hören? Was unmöglich klingt, wird an der Linzer Anton Bruckner Privatuniversität Wirklichkeit. In „poemmusic. Jetzt. Momentaufnahmen“ verschmelzen Gebärdensprachpoesie, Rhythmus und Live-Musik zu berührenden Performances.
„Musikalität hängt nicht davon ab, ob und wie viel man hört“, sagt Dagmar Schinnerl, Vizerektorin der Bruckneruni. Denn der Herzschlag gibt jedem Menschen ein Gefühl für Rhythmus und Musik.
Dieser Grundgedanke macht den Weg frei für ein außergewöhnliches Projekt: Gebärdensprache – eine Sprache, die mit den Händen, dem Gesicht und dem Körper ausgedrückt wird – trifft auf Musik. Beides verbindet sich zu Performances, die Klammer lautet „poemmusic. Jetzt. Momentaufnahmen“.
Wo beginnt Poesie und was macht die Musik?
„Es ist wie bei jeder Sprache: Auch die Gebärdensprache hat poetische Ausdrucksformen“, sagt Schinnerl, die das Projekt gemeinsam mit Magdalena Mülleder betreut. Diese betont: „Poemmusic verbindet nicht nur zwei Kunstformen, sondern auch Menschen. Da treffen Persönlichkeiten mit verschiedenen Vorstellungen darüber aufeinander, wie Kunst und Performance entstehen können. Jeder muss seine Komfortzone verlassen und sich auf den anderen einlassen.“
Gebärdensprachpoetin: „Es ist nie zu spät!“
Für Manuela Zimmer, Gebärdensprachpoetin, hat sich mit dem Projekt ein Tor geöffnet. Sie schwärmt: „Mich auszudrücken, diesen inneren Ausdruck zu finden, bedeutet für mich Freiheit. Das gab es früher gar nicht, aber jetzt haben wir diese Möglichkeit.“ Es sei nie zu spät, mit Kunst anzufangen.
Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Matthäus Schnöll hat sie eine Performance zum Thema „Leben, Zeit und Vergänglichkeit“ erarbeitet. „Mit Manuela, einer gehörlosen Poetin, ein Programm auf die Beine zu stellen, das für hörende und nicht hörende Personen gleichermaßen zugänglich ist, war megaspannend“, sagt Schnöll.
Ying Ni, ebenfalls Gebärdensprachpoetin, arbeitet mit dem Cellisten Steffen Dieckow zum Thema „Momentaufnahmen“ zusammen. Sie beschreibt die Zusammenarbeit so: „Steffen nimmt meine Bewegungen auf und reagiert mit seiner Musik auf das, was ich mit meiner Gebärdensprachpoesie ausdrücke. Wir sind ein gutes Team.“
Die Konzertperformance findet am Donnerstag, dem 12. November (19 Uhr), an der Bruckneruni statt. Drei 15-minütige Beiträge von zwei Duos und einem Trio sind geplant. Der Abend ist für alle Interessierten offen. Am Vortag gibt es eine bereits ausgebuchte und eine offene Vorstellung. Der Eintritt ist frei!
Übrigens: Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Hör- und Sehbildung der Michael Reitter Landesschule und der Lebenswelt Schenkenfelden und wird durch Licht ins Dunkel und CMHF Infinitus unterstützt.