Kultur

Haben die Menschen das Lachen verlernt, Herr Paul?

Haben die Menschen das Lachen verlernt, Herr Paul?

Kriege, Krisen, Verbrechen: Unter der Kuppel eines Zirkuszeltes ist das alles für ein paar Stunden ganz weit weg. Bernhard Paul, Gründer des legendären Zirkus Roncalli, über den Zauber der Manege, Polit-Clowns und Gender-Wahnsinn und warum es von ihm nie eine Abschiedstournee geben wird.

„Hereinspaziert, hereinspaziert!“ Bernhard Paul, der auch ohne Schminke aussieht wie ein liebenswerter Clown, sitzt im Salonwagen Nr. 2 am Wiener Rathausplatz vor seinem dritten Espresso. Auf dem Tisch aus Palisanderholz steht der eigens für die Jubiläumstournee gefertigte Roncalli-Guglhupf. „Verzeih, wenn ich nicht aufstehe“, brummt er und zeigt auf die Krücken in der Ecke. „Ausgerutscht auf nassen Fliesen, Bein gebrochen und ein paar Bänder gezerrt.“

Seiner glänzenden Laune tut das keinen Abbruch und seiner Herzlichkeit – er ist mit jedem per Du – genauso wenig. Es ist Tag zwei nach der umjubelten Wien-Premiere. Unser Gespräch wird immer wieder vom Klingelton seines Handys unterbrochen. Wenn „Start Up“ von den „Rolling Stones“ ertönt, wippt der 79-Jährige vergnügt hin und her und ruft „Forever young!“ Von draußen dringt der süße Duft von Mandeln und Popcorn.

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