So viele Präsidenten waren wohl noch nie gleichzeitig in Wien versammelt. Rund um den 12. Juni – jenen Tag, an dem sich die Österreicher vor 32 Jahren für den EU-Beitritt entschieden – arbeiteten die Vorsitzenden von 60 Jugendorganisationen aus 39 europäischen Ländern an einer gemeinsamen Zukunftsvision für Europa.
„Vor 20 Jahren hatte man das Gefühl, Europa sitzt im Cockpit und bestimmt die Richtung. Heute sitzen wir eher hinten im Flugzeug und sind einer von vielen Passagieren“, sagt Sophia Kircher. Die Tiroler EU-Abgeordnete und Österreichs erste Präsidentin der Jungen Europäischen Volkspartei (YEPP) hatte die Präsidenten aller konservativen Jugendparteien der EU nach Wien geholt. In der am Freitag unterzeichneten „Declaration of Presidents“ schlagen die Jugendorganisationen einen selbstbewussteren Kurs für Europa vor. Die Europäische Union dürfe angesichts von Kriegen, geopolitischen Spannungen und wirtschaftlicher Konkurrenz nicht bloß reagieren. Europa müsse eine treibende Kraft werden, heißt es in dem Schriftstück.
Gleichzeitig spart das Papier nicht mit Kritik. Europa verliere sich zu oft in technischen Details, übermäßiger Regulierung und internen Blockaden. Stattdessen müsse sich die EU wieder stärker auf ihre ursprünglichen Versprechen konzentrieren: Frieden, Freiheit, Wohlstand und die Fähigkeit, die eigene Zukunft selbst zu gestalten.
Jungpolitiker für Westbalkan-Erweiterung
Für Kircher bleibt die Europäische Union trotz aller Herausforderungen „das größte Friedensprojekt der Geschichte“. Gerade ihre Generation profitiere von Möglichkeiten, die früher undenkbar gewesen seien – vom freien Reisen bis zu Austauschprogrammen wie Erasmus. „Die Europäische Union ist ein Hoffnungsprojekt“, sagt sie. Die Jugendorganisationen sprechen sich zudem dafür aus, den Westbalkan, die Ukraine und Moldau stärker an die Union heranzuführen. Die Stabilität dieser Länder sei auch eine Frage der europäischen Sicherheit.
Trotz unterschiedlicher Ansichten in Detailfragen sei die Grundhaltung aller Teilnehmer dieselbe gewesen: Europa müsse enger zusammenarbeiten. „Ich glaube, man ist immer gemeinsam stärker“, sagt die Tirolerin. Die gemeinsame Erklärung soll nun an die Europäische Volkspartei weitergeleitet werden – als Signal dafür, wie Europas junge Politiker die Zukunft des Kontinents sehen.