Politik

„Krone“-Elefantenrunde: Kein Flirten vor Graz-Wahl

„Krone“-Elefantenrunde: Kein Flirten vor Graz-Wahl

Letzte Entscheidungshilfe vor dem Grazer Urnengang: In der „Krone“-Redaktion trafen die Spitzenkandidaten noch einmal aufeinander. Ordnungsruf der Bürgermeisterin inklusive.

Das Beste kommt zum Schluss. Wie schon bei den steirischen Landtagswahlen vor zwei Jahren bildete die „Krone“-Elefantenrunde auch zur anstehenden Grazer Gemeinderatswahl das Finale. Am Mittwoch (24. Juni/21.45 Uhr) haben Sie so auf krone.tv die Möglichkeit, das letzte Mal vor Ihrem Kreuzerl eine Entscheidungshilfe einzuholen. Mitunter ging’s bei der Diskussion in unserem Newsroom am Eisernen Tor ziemlich heiß her – und das lag nicht nur an den aktuell so schweißtreibenden Temperaturen.

Streitfall Wohnen
Bei ihrem Leibthema Wohnen war etwa Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) sofort auf Betriebstemperatur. Den Grund dazu lieferte zunächst Kurt Hohensinner: „Eine Überregulierung ist nie gut. Diese Koalition hat eine Wohnpolitik für zehn Prozent der Bevölkerung gemacht – also nur für jene, die in Gemeindewohnungen leben. Dazu ist Wohnen Graz hochdefizitär, hat einen jährlichen Abgang von fünf bis acht Millionen Euro“, schüttelte der ÖVP-Spitzenkandidat den Kopf. NEOS-Mann Philipp Pointner legte nach: „Wohnen Graz muss nicht gewinnorientiert, soll aber ertragsorientiert arbeiten – und das tut es einfach seit 2025 nicht mehr und bringt so die ganze Stadt in Bedrängnis.“

Aussagen, die Kahr sofort in den Saft gehen ließen. „Als wir 1998 das Wohnressort übernommen haben, war jede vierte Gemeindewohnung Substandard – und würde es nach der ÖVP gehen, hätten wir ohnehin keine einzige Gemeindewohnung mehr. Auch Bund und Land verkaufen Wohnungen im öffentlichen Eigentum oder drehen Wohnheime zu. Die ÖVP ist eben die Hausherrenpartei, wir schauen auf die Mehrheit der Bevölkerung.“

Blaue Schächtungs-These
Kritik am Status quo äußerte aber auch der sogenannte Bürgermeisterkandidat der Freiheitlichen, Rene Apfelknab: „Vor 2021 lag der Österreicher-Anteil in den Gemeindewohnungen bei 75 Prozent, jetzt sind’s nur noch 55. Es gibt dort deshalb immer wieder Schwierigkeiten, selbst von Schächtungen wird uns berichtet.“ Eine These, mit der er in der Runde kollektives Kopfschütteln erntete.

„Sie hassen Autos, das hat Ihre Politik gezeigt“
Ein anderes Thema, das Graz bewegt, ist der Verkehr. Dieser wurde deshalb auch vom souveränen Moderations-Duo, „Krone“-Chefredakteur Klaus Herrmann und krone.tv-Anchor-Lady Katia Wagner, abgeklopft. Der von der ÖVP geforderte Tiefgaragenring ist für die ressortverantwortliche Vizebürgermeisterin Judith Schwentner kein Thema, „weil wir schon 20 Tiefgaragen in der Innenstadt haben und so noch mehr Autos hereinholen würden“. Die grüne Nummer eins gab sich bei dem Thema aber betont diplomatisch, wissend, dass ihre Verkehrspolitik nicht überall auf Gegenliebe stößt. „Ich sage deshalb, Waffen runter! Beenden wir diesen Kulturkampf und arbeiten wir gemeinsam an den besten Ideen.“

Ein Angebot, das KFG-Mann Michael Winter in ziemlich harscher Art und Weise vom Tisch kickte. „Sie haben in den letzten Jahren einen politischen Kreuzzug gegen Autofahrer geführt. Sie hassen Autos richtiggehend, das hat Ihre Politik gezeigt. Sie sollten sich Fahrradstadträtin anstatt Verkehrsstadträtin nennen.“ Sprach’s und handelte sich prompt einen Rüffel der Bürgermeisterin ein: „Was Sie sagen, entspricht einfach nicht der Wahrheit“, sprang sie ihrer Koalitionspartnerin zur Seite.

„Bin fürs Flirten zu alt“
Apropos Koalition: Hier wurde zuletzt immer wieder gemunkelt, dass sich die ÖVP hinter den Kulissen der KPÖ antragen und notfalls auch als Juniorpartner reagieren würde. „Ich bin fürs Flirten viel zu alt“, schüttelte Kahr den Kopf. „Ich halte es wie immer, Gespräche gibt’s erst nach der Wahl.“ Ähnlich Hohensinner: „Zuerst muss gewählt werden, dann schauen wir, mit wem es Schnittmengen gibt – das kann mit allen Parteien sein. Nur mit diesen Grünen tu ich mir schwer.“

Große Visionen gab’s schon im gesamten Wahlkampf nicht – was eben daran liegt, dass alle um die Lage der städtischen Finanzen wissen. In Zukunft muss gespart werden. FPÖ-Spitzenkandidat Apfelknab will da mit einer Verwaltungsreform und im „aufgeblasenen Sozialressort“ ansetzen. SPÖ-Chefin Doris Kampus will mehr Geld für Gesundheit und Pflege und dafür prestigeträchtige Immobilienkäufe wie beim Girardi- oder Glockenspielhaus künftig einsparen. Wahlziel ist der Einzug in den Stadtsenat, aus eigener Kraft – nur dann kann sie sich auch eine Fortsetzung der linken Rathaus-Koalition vorstellen.

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