Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg ist in vollem Gange, und alle Blicke sind auf das Hauptereignis gerichtet — die Plenarsitzung mit der Teilnahme von Präsident Wladimir Putin.
Obwohl Russlands Wachstum schwächelt, soll der Welt mit der Veranstaltung grundsätzlich ökonomische Kraft präsentiert werden. Dennoch hat Putin Probleme der russischen Wirtschaft eingeräumt. „Ja, die wirtschaftliche Dynamik ist derzeit gebremst“, erklärte der Kremlchef. Russland sei jetzt auf dem Niveau angekommen, auf dem sich Europa schon jahrelang befinde, meinte er in einem Seitenhieb gegen die EU. Und zeigte sich überzeugt, dass es mit der Wirtschaft bald wieder bergauf gehe.
Russland führt seit mehr als vier Jahren Krieg gegen die Ukraine. In den ersten Jahren ist es Moskau dabei trotz westlicher Sanktionen durch die Umstellung der Wirtschaft auf die Kriegsproduktion gelungen, Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Das Wachstum hat sich allerdings bereits 2025 deutlich abgekühlt, im ersten Quartal 2026 musste die Regierung einen Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt konstatieren.
In seiner Rede deutete Putin auch an, dass das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr weiter wachsen könne. Derzeit liege es aber nur bei 2,6 Prozent, das liege unter den Defizitwerten europäischer Länder, betonte er. Was er dabei ausließ – wegen der mit der Inflation einhergehenden hohen Zinsen in Russland muss Moskau für seine Staatsverschuldung vergleichsweise mehr Geld ausgeben als die EU-Länder.
Reaktion auf Selenskyjs offenen Brief?
Mit Spannung wird noch erwartet, ob Putin auf den offenen Brief des ukrainischen Staatschefs, Wolodymyr Selenskyj, reagieren wird. Die Mehrheit der Russen sei der ukrainischen Raketen- und Drohnenangriffe, der Inflation und der Treibstoffknappheit überdrüssig und bereit für den Frieden, hatte Selenskyj am Donnerstag geschrieben. Sollte Putin nicht zu dem Schluss kommen, dass es Zeit für ein Kriegsende sei, werde die Ukraine weiter um ihre Existenz kämpfen. Dies könne Putins Machtposition gefährden. „Es ist eine Tatsache in der russischen Geschichte, die Sie gut kennen: Wenn Russland müde wird, steht ein Wandel bevor“, hieß es in dem Schreiben weiter. US-Präsident Donald Trump erklärte daraufhin vor Journalisten im Weißen Haus, dass er es gut fände, wenn es zu einem Treffen zwischen Putin und Selenskyj käme.