Kultur

Romantic Slivo: „Wir müssen uns mehr lieb haben“

Romantic Slivo: „Wir müssen uns mehr lieb haben“

Mit Goldsakko und Gemeindebau-Chic bringt Romantic Slivo die Liebe auf die Bühnen und unsere Plattenspieler. Das Alter Ego von 5/8erl in Ehr‘n-Sänger Bobby Slivovsky verschreibt sich auf seinem Debütalbum dem Deep-Soul der alten Tage. Ein Gespräch über die sehende Kraft Bracos, Liebe im Gemeindebau und Chancen auf den Song Contest.

Kalt ist es und unwirtlich, außerdem wird es schon am Nachmittag finster. Da tun nicht nur eine Tasse Tee und Umarmungen geliebter Menschen gut, sondern auch eine gehörige Portion Herzschmerz, vorgetragen von einem inbrünstigen Sänger im Deep-Soul-Gewand. Ebenjener, Romantic Slivo genannt, machte schon im Sommer 2025 auf sich aufmerksam. Sein ergreifender L’Amour-Hatscher „Holiday“ wurde zur Urlaubshymne für den Gemeindebau und brachte wieder Seele in die österreichische Musiklandschaft. Jetzt kehrt der Weltenbummler wieder von seinen Welttourneen zurück, weil ihn die Menschen brauchen. „Die Leute müssen sich wieder mehr umarmen und mehr lieb haben“, erzählt er der „Krone“ im Gespräch. Hinter dem Alter Ego steckt Ausnahmesänger Bobby Slivovsky von den 5/8erl in Ehr’n. Sein Romantic Slivo ist im Prinzip eine artifizielle Verlängerung seiner eigenen Persönlichkeit. „Slivo nimmt die Leute bei den Konzerten bei der Hand. Er möchte sie zusammenbringen. Was Braco, der kroatische Heilkundige, mit den Augen macht, macht Slivo mit den Händen“, fügt er lachend hinzu.

Mit dem Soul aus der Kindheit
Die Botschaft ist klar – wo Schmerz ist, da ist auch Trost. In einer Welt voller Gemeinheiten, Egoismen und Kriege schält sich Slivo in sein Goldsakko, hängt das Ketterl über das Feinripp-Unterhemd und setzt die Pilotenbrille auf. „Ich glaube tatsächlich an die Liebe und mit der Figur des Romantic Slivo kann ich sie ausstrahlen. In den Liedern geht es um Erlebnisse, die jeder kennt. Trennungen, das Verliebtsein, Zwischenmenschliches. Das Album „Love Is Still Love“ fällt mit sechs Liedern und einem Intro zwar kurz aus, aber die Qualität stimmt an allen Ecken und Enden. Als klangliche Grundlage für seinen Sound hat Slivo den Soul gewählt. Das Genre, das wie kein anderes Herz und Schmerz verbindet, sich bei allen Emotionen tief in die Haut gräbt. Die Grundlage dafür ergab sich bereits in der Kindheit. „Ich wuchs im zehnten Wiener Gemeindebezirk auf und bekam als Kind eine CD von Al Green geschenkt. Das hat mich nicht mehr losgelassen.“ Andere große Stimmen wie Otis Redding, Little Richard oder Solomon Burke folgen. Der Soul hat sich beim ehemaligen Wiener Sängerknaben fix in die Synapsen eingenistet, Greens „How Can You Mend A Broken Heart“ verehrt er fast religiös.

Dass er Romantic Slivo als Gemeindebau-Charmeur anlegt, hat freilich einen Hintergrund. „Im zehnten Bezirk gibt es die reine Liebe und nicht nur Schlüpfrigkeiten. Es geht um das innere, tiefe Gefühl und ein bisschen Humor. Mir ist es wichtig, in meinen Liedern etwas zu erzählen, wo es wirklich um was geht – und da gibt es dann wieder Parallelen zu Ostbahn Kurti und seinem Texter Günter Brödl.“ So wie der Gemeindebau steht auch Romantic Slivo für Ehrlichkeit und Bodenständigkeit, auch wenn die Geschichte der Kunstfigur bewusst erhöht erzählt wird. „Er steht seit 1990 auf der Bühne und hat sie alle bespielt. Die Carnegie Hall, die Royal Albert Hall – alle.“ Das Narrativ seiner Figur sei eine Art „melancholischer Größenwahn mit viel Wahrheit“. Als Vorbild diente auch die Figur Tony Clifton, die der US-Komiker Andy Kaufman einst als Alter Ego ins Leben rief. „Zynismus lässt sich heute aber besser verkaufen als Liebe“, weiß Slivo, „ich komme aus der Generation, die Heinz Conrads im Radio hörte und die Peter Alexander als Entertainer wahrnahm. In der Figur von Romantic Slivo steckt ganz viel Kindheit.“

Als ginge es ums Leben
Es sind Erinnerungen an Autofahrten mit Tante und Onkel Mitte der 80er, in denen Radio Wien die Soulgrößen präsentierte. „Das war die pure Berührung. Die Songs gingen tief ins Herz.“ Auch wenn die Liebe auf „Love Is Still Love“ überhandnimmt, so ganz unpolitisch ist das Album nicht geraten. „Es ist halt weniger Fragen stellend und provozierend wie Lieder von den Achterln“, spricht er auf seine Band an, „allein durch das Outfit rutscht alles ein bisschen mehr in Richtung Theater. Die Texte sind zudem klar, es gibt wenig, was an Interpretationsspielraum übrigbleibt.“ Optisch sei Romantic Slivo kitschig, die Musik wird aber todernst genommen. „Ich habe wahnsinnig gute Musiker für das Projekt gefunden, so wie etwas Valentin Eibel, Lukas Kranzelbinder oder Georg Buxbaum. Und das Schönste ist: Sie alle spielen diese Art von Musik so gerne, weil man sie für gewöhnlich kaum noch wo wahrnimmt.“ Ein Auftritt von Romantic Slivo ist ebenfalls den Größen des Soul nachempfunden. „Green und Redding haben jeden Tag so gesungen, als ginge es um ihr Leben. Als gäbe es kein Morgen mehr. Diese Art des Singens hat mir immer gefallen und ich versuche das mit meinen Möglichkeiten genauso zu machen.“

Mit Liedern wie dem Titeltrack, „Baby Tonight“ oder „Song For Mr. Mouse“ will der Wiener vor allem verbinden. Bei einem Konzert oder in einem Wirtshaus muss man nicht nur streiten, man kann sich auch versöhnen. Man kann die Liebe kurz Liebe sein lassen, ein bisschen wie bei einer Messe. Die Liebe ist eine ganz besondere Superkraft und diese Form des aufeinander Zugehens vermisse ich in der Gesellschaft gerade sehr.“ Stößt sich das nicht mit dem klassischen Wiener Grant? „Gar nicht, weil der ein Klischee ist.“ Willi Resetarits, also der zuvor erwähnte Ostbahn Kurti, ist durchaus ein Vorbild für den Sänger. „Das sind natürlich sehr große Fußstapfen. Ich träume davon, aber das ist in der Realität natürlich ganz weit weg und muss man sich hart erarbeiten. Ich sehe aber eine Parallele von der Figur her.“ Romantic Slivo steht aber auch für Entschleunigung und Müßiggang, wie im Song „Hudeln“ hörbar. „Genau zu sein, sich Zeit zu nehmen – das sind Dinge, die heute immer schwerer zu schaffen sind. Einfach mal eine Platte durchhören, ein Buch lesen, zuhören. Ich hoffe, dass ich diese Werte meinen eigenen Kindern vermitteln kann.“

Live in ganz Österreich
Was Romantic Slivo schon 2025 bei der „Krone“ angekündigt hat, hat sich bis heute nicht geändert – er würde gerne für Österreich zum Song Contest fahren. „Es gäbe sogar schon ein Lied dafür“, lacht er, „das ist noch nicht ganz fertig geschrieben, aber bei Bedarf wäre es möglich. Ich kann mir das gut vorstellen, finde den Bewerb und seine Botschaft wahnsinnig schön.“ Einem Bewerb, wie heuer durchgeführt, würde er sich aber nicht stellen. „Man muss das Lied und mich schon wollen. Ich glaube, das könnte gut funktionieren, aber es liegt nicht in meiner Hand.“ Bei einem eventuellen Erfolg würde er sogar seine Tätigkeit bei den 5/8erl in Ehr’n pausieren. „Man könnte ein Substitut nehmen wie Harald Baumgartner oder Eva Klampfer aka Lylit. Jedenfalls müsste alles gut getimt werden, weil wir mit den Achterl auch schon weit vorgeplant sind.“ Jetzt gibt es aber erst einmal Romantic Slivo live. Am 23. Jänner im Innsbrucker Treibhaus, am 26. Jänner im Wiener Konzerthaus, am 27. Jänner im Orpheum Graz, am 29. Jänner im Linzer Posthof und am 30. Jänner auf der Bühne im Hof in St. Pölten. Unter www.oeticket.com gibt es Karten für die einzelnen Veranstaltungen.

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