Politik

Selenskyj schickt Auszeichnung per Post zurück

Selenskyj schickt Auszeichnung per Post zurück

Aufrufe zur Mäßigung im Streit um die Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges zwischen Polen und der Ukraine sind bisher nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Nach der Aberkennung der höchsten Auszeichnung durch Polens Staatschef Karol Nawrocki, hat sein ukrainisches Gegenüber Wolodymyr Selenskyj Medaille und Urkunde bereits per Post zurückgeschickt. Seinem Beispiel wollen nun andere hochrangige Politiker folgen.

Hintergrund ist die Entscheidung Selenskyjs, eine ukrainische Militäreinheit nach Aufständischen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu benennen, denen Massaker an Polen vorgeworfen werden. Selenskyj hatte die höchste Auszeichnung Polens 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda verliehen bekommen, um die Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine angesichts der russischen Aggression gegen Kiew zu unterstreichen.

Selenskyj will über widersprüchliche Interpretationen reden
Er habe geglaubt, der Orden sei für das ukrainische Volk und die Armee bestimmt gewesen, schrieb Selenskyj am Samstag auf der Plattform X. „Heute habe ich den Orden dem polnischen Präsidenten zurückgeschickt.“ Zugleich betonte er seine Dankbarkeit für Polens Unterstützung und erklärte, er sei offen für einen Dialog, um widersprüchliche Interpretationen der gemeinsamen Vergangenheit zu vermeiden.

Der Streit droht die Beziehungen der beiden engen Verbündeten zu belasten. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Entscheidung Nawrockis als strategischen Fehler und erklärte, kein ausländischer Präsident werde der Ukraine ihre Geschichte diktieren. Auch er will seine Auszeichnung wieder loswerden. Selenskyjs Stabschef Kyrylo Budanow gab aus Protest ebenfalls seinen polnischen Verdienstorden zurück und nannte das Vorgehen Warschaus ein „Geschenk“ für Russland.

Ex-Präsidenten folgen Selenskyjs Beispiel
Am Abend erklärte der ukrainische Ex-Präsident Leonid Kutschma (1994-2005) nach Medienberichten seinen Verzicht auf den Orden des Weißen Adlers, den er 1997 erhalten hatte. Er gab sich überzeugt, dass dieser „unfreundliche Schritt“ von Präsident Nawrocki die Freundschaft der beiden Länder nicht zunichtemachen könne. Aus Protest gegen die Entscheidung Nawrockis kündigte auch Ex-Präsident Viktor Juschtschenko (2005-2010) an, er wolle auf die Auszeichnung verzichten.

Polens Ministerpräsident ruft zur Mäßigung auf
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hatte Nawrocki und Selenskyj am Freitag zur Mäßigung aufgerufen. Der polnische Präsident hatte in einer Erklärung beteuert, die Aberkennung sei „nicht gegen die ukrainische Nation gerichtet“ und ändere nichts an der strategischen Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik.

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