Kultur

Styriarte: Seelenschau mit himmelblauen Nachtönen

Styriarte: Seelenschau mit himmelblauen Nachtönen

Daniel Johannsen begeistert bei der Schubertiade in Schloss Eggenberg und Eddie Luis und die Gnadenlosen widmen dem Grazer Melodienzauberer Robert Stolz einen Abend. Die „Krone“ war auf der Styriarte unterwegs.

Draußen liebliches Picknickwetter, doch drinnen donnert’s heftig. Im Planetensaal des Schlosses Eggenberg kämpft Tenor Daniel Johannsen mit dem Schicksal. Denn für die Schubertiade der heurigen Styriarte lag der Fokus der ausgewählten Lieder auf der existenzialistischeren Variante nach Texten von Schiller und Goethe.

Da trifft es sich gut, dass Johannsen stets nicht „nur“ singt, sondern immer auch erzählt, deutet, vermittelt. So entstanden aus Liedern wie „Prometheus“ tief empfundene Miniaturdramen, vorzüglich begleitet von Florian Birsak am Hammerflügel. Der konnte auch solo sehr ausdrucksstark werden, der Auszug aus Schuberts „Sechs Deutsche Tänze“ war ländlich aufs imaginäre Parkett geklopft, dass man sich auf die Lederhose klatschen mochte.

Flankiert wurden die Liedblöcke noch von zwei Trio-Sätzen, für die sich Fritz Kircher und Ursina Braun gemeinsam mit Birsak auf der Bühne einfanden und ein exquisites Schubert-Ensemble ergaben, das vom frühen Allegro in B bis zum späten Adagio in Es die Entwicklungsspanne eines Komponistenlebens nachzeichnete. Zur Erholung wartete beim anschließenden Picknick im Schlosspark die leichtere Muse in Schuberts Gesängen – virtuos begleitet von Daniel Fuchsberger an der Kontragitarre, die einen Hauch von Wienerlied versprühte.

Robert-Stolz-Gala mit Eddie Luis
Nach derartig gehaltvoller Seelenschau erscheint manchem die ganze Welt himmelblau. Passend dazu bitten Eddie Luis und seine Gnadenlosen unter genau diesem Titel in der List-Halle zur Robert Stolz-Gala. In Verehrung des Ewig-Weiblichen – „Ob blond, ob braun“ – findet Luis dabei zu erstaunlich markanten Spitzentönen.

Vor allem überzeugt aber die Brennweite des Abends, der Operette mit Old Time Jazz mixt. So hört man mit Klarinettist Miloš Milojević am Mikro von „It’s Foolish But It’s Fun“ einen zünftigen Bass Richtung Louis Armstrong brummen, während Sängerin Maria Gebhart in „Comme les saisons“ das seidenweiche Chansonherz streichelt. Dass das alles aus einer Feder – eben jener des großen Grazers Stolz – kommt, glaubt man locker, weil die u.a. von Markus Pechmann (Trompete) und Fabian Supancic (Klavier) ergänzte Band aus einem Guss spielt.

Roland Schwarz & Felix Jurecek, Kronen Zeitung

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