Die humanitäre Hilfsaktion für die russisch besetzte Frontstadt Oleschky im Süden der Ukraine läuft an. Die Entminung ist abgeschlossen, jetzt können die notleidende Bevölkerung versorgt und Zivilisten in Sicherheit gebracht werden. Vermittelt wurde die Hilfe von Melania Trump, First Lady der USA.
„Die Entminung der Routen für die humanitäre Mission in Oleschky wurde abgeschlossen“, teilten die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa und ihr ukrainischer Amtskollegen Dmytro Lubinez mit. „Der humanitäre Konvoi ist zur Abfahrt bereit.“ Beide dankten Melania Trump für ihre Vermittlung.
Auch die First Lady bestätigte die Räumung der Minen. „Alle gemeinsam von der Ukraine und Russland festgelegten Routen wurden für eine sichere Passage freigegeben“, schrieb sie auf der Plattform X. Die Lieferung von Lebensmitteln, Trinkwasser, Arzneimitteln und anderen lebenswichtigen Hilfsgütern für die Frontstadt sei nun möglich.
Dutzende Tonnen humanitärer Hilfsgüter
Laut Lantratowa und Lubinez wird der Konvoi zum örtlichen Krankenhaus fahren, ab Mittag werden dort Hilfsgüter ausgegeben. In die Frontstadt sollen Dutzende Tonnen an humanitären Hilfsgütern gebracht werden – vor allem Lebensmittel wie Mehl, Getreide, Zucker, Speiseöl, Fleisch- und Fischkonserven, so die russische Menschenrechtsbeauftragte. Auch Hygienemittel und Treibstoff für Notstromgeräte würden geliefert. Das zentrale Krankenhaus erhalte zudem Medikamente wie Antibiotika und Insulin.
Ein Teil der Güter wurde demnach vom Team der russischen Menschenrechtsbeauftragten zusammengestellt, ein anderer vom Russischen Roten Kreuz. Die Ausgabe werde gemeinsam mit Lubinez erfolgen, hieß es.
Hunderte warten auf Evakuierung
Dem Newsportal „Ukrajinska Prawda“ zufolge haben sich mehrere Hundert Menschen aus Oleschky in eine Evakuierungsliste eingetragen. Demnach sind in der Frontstadt etwa 1500 von ehemals rund 24.000 Bewohnern verblieben. Informationen der Nachrichtenseite „Hromadske“ zufolge könnten dank der Feuerpause auch etwa 100 im Keller des örtlichen Krankenhauses seit Monaten gelagerte Leichen aus Oleschky weggebracht werden.
Seit Dienstag gilt für Oleschky und die Umgebung eine örtlich begrenzte Waffenruhe, von der auch die am gegenüberliegenden Ufer des Flusses Dnipro liegende Gebietshauptstadt Cherson profitiert. So sind Transporte in und aus der Stadt möglich, die sonst durch Drohnenangriffe und Minen verhindert wurden. Das nutzen die Bewohner intensiv. Aufnahmen aus Cherson zeigten starken Autoverkehr und ungewohnt viele Menschen auf den Straßen (siehe Bluesky-Post unten). Geflüchtete Stadtbewohner nutzen die Feuerpause, um nach ihrem zurückgelassenen Hab und Gut zu schauen. Selbst ansonsten stark beschossene Stadtteile in unmittelbarer Flussnähe wirkten nun belebt.
Lubinez rechtfertigt Reiseroute über Russland
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte reiste persönlich in den russisch besetzten Teil der Ukraine. Videoaufnahmen zeigten, wie Lubinez dafür im belarussischen Gomel in ein russisches Flugzeug stieg. „Warum fahre ich persönlich dorthin? Weil es wichtig ist, vor Ort zu sein, wenn es um die Rettung von Menschen geht“, begründete er sein Vorgehen auf Telegram. Ziel sei es, die ukrainische Öffentlichkeit über den Verlauf der Aktion zu informieren.
Der Ukrainer warnte dabei vor voreiligen Schlussfolgerungen. „Denn ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwierig die Verhandlungen waren und wie lange sie dauerten, damit ich jetzt hier sein kann, wo ich bin“, schrieb er. Sein Pressedienst begründete den gewählten Weg über Belarus und Russland mit der Verminung der Frontgebiete.
Oleschky war unmittelbar nach Kriegsbeginn im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt worden. Seit dem Abzug der Russen aus der Gebietshauptstadt Cherson im darauffolgenden November ist Oleschky Frontstadt. Die US-Regierung drängt vor allem die Ukraine seit Längerem zu Kompromissen für einen Friedensschluss mit dem Angreifer Russland.
Druck von Trump: Kiew setzte Angriffe aus
Jetzt hat US-Präsident Donald Trump offenbar Druck auf die Ukraine ausgeübt, ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien auszusetzen, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Die inoffizielle Unterbrechung habe Anfang vergangener Woche begonnen und werde voraussichtlich bis nach den US-Zwischenwahlen am 3. November und möglicherweise noch bis später im November andauern.