Ungarn sucht ein neues Staatsoberhaupt. Nachdem Ungarns Premier Péter Magyar den alten Präsidenten losgeworden ist und seine Favoritin abgesagt hatte, ist nun das Volk aufgerufen, Vorschläge zu bringen. Am beliebtesten ist aktuell ein Mann, der als Internet-Meme zum Star wurde.
Die Zeit läuft: Spätestens am 19. August muss das ungarische Parlament ein neues Staatsoberhaupt gewählt, so sieht es das Gesetz vor. Die Wahl wurde notwendig, weil Staatspräsident Tamas Sulyok im Juli abgesetzt worden war. Regierungschef Magyar hatte ihn als „Marionette“ seines Vorgängers Viktor Orbán bezeichnet.
Schach-Großmeisterin winkte ab
Der Premier rief daraufhin das ungarische Volk auf, Empfehlungen zu nennen, nur um dann selbst vorzugreifen und die Schach-Großmeisterin Judit Polgár als Staatschefin vorzuschlagen. Polgár sagte ab, Magyar bedauerte das und entschuldigte sich für mögliche „Kommunikationsfehler“.
Favorit „Hide the Pain Harold“
Nun gibt es tatsächlich eine öffentliche Debatte darüber, wer der neue Präsident werden soll. Im Netz werden Vorschläge gemacht, die von vernünftig bis skurril alles abdecken. Als populärster Kandidat kristallisierte sich in einer Online-Umfrage laut „Guardian“ András Arató heraus – besser bekannt als „Hide the Pain Harold“.
Fan von Magyar
Der inzwischen 81 Jahre alte Elektroingenieur wurde berühmt, weil er Model für Stockfotos stand. Viele Bilder zeigen ihn mit scheinbar gequältem Lächeln, weshalb er als „Harold, der den Schmerz verbirgt“ zum Internet-Meme wurde. Zuletzt erlangte Arató mediale Beachtung, als er die Angelobung von Péter Magyar zum neuen Regierungschef im Mai in Budapest feierte.
Topmodel Palvin im Rennen
Ein freundliches Verhältnis zum Premier wäre jedenfalls eine gute Voraussetzung, Präsident zu werden. Zudem will Magyar auf jeden Fall jemanden, der von politischen Parteien unabhängig ist. Als weitere Empfehlungen für das Staatsoberhaupt nannten die Ungarinnen und Ungarn, unter anderem Model Barbara Palvin, Katalin Karikó, Nobelpreisträgerin für Medizin und Ernö Rubik, Erfinder des gleichnamigen Zauberwürfels.
Was macht die Regierung?
Es ist allerdings unklar, wie die Regierung mit den Vorschlägen und Ranglisten in den sozialen Medien umzugehen gedenkt. Trotz des Aufrufs von Magyar gibt es keinen offiziellen Kanal, in dem Empfehlungen gesammelt werden. Zwei Wochen bleiben der Partei Tisza noch, die mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit regiert, um sich auf einen Kandidat oder eine Kandidatin zu einigen.